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Toskana September 2015 - Die Küste - und Bolgheri

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Donnerstag, 03.09.2015

 

Wir sind früh wach und beschließen, an die Küste zu fahren. Ein Kollege hat uns den Strand in Punto Ala empfohlen. Wir gehen davon aus, dass es hier auch einen kleinen Ort gibt, auf Strand sind wir in der Toskana nicht so richtig eingestellt, aber zumindest ansehen wollen wir ihn schon. Der Strand ist lang und wirklich sehr schön. Im Ort selbst fahren wir zum Yachthafen. Wahnsinn, was hier für Yachten liegen. Hier kommen ein paar Millionen Euro zusammen. Wie schon im Internet steht – hierher zieht es die Reichen und Schönen. Zumindest die Reichen sehen wir. Auch am zum Yachtclub gehörenden Stand ist man unter sich, aber das Fußvolk darf durchaus auch mal schauen. Der Ort selbst kommt uns sehr künstlich vor, ohne Leben, ohne Seele. Wie ein Outlet-Dorf in USA. Champagnerbar, Austernbar, Cafés... Eigentlich wäre es ja nett, hier etwas zu trinken und alles wirken zu lassen – aber uns spricht hier nichts an und wir beschließen: das ist es hier nicht für uns, wir fahren weiter, suchen uns etwas mit Leben, Seele.

 

Es gibt die Option nach Castiglione di Pescharia weiterzufahren, es ist nur knapp 12 km entfernt Richtung Süden. Da wir aber sowieso Richtung Norden ins Bolgheri wollen, entscheiden wir uns für San Vincenzo. Nach einer Fahrt von ca. 50 min erreichen wir den Ort und sind überrascht. Ein alter, gewachsener Ort, auch ein sehr netter Yachthafen, links und rechts des Ortes Strände – das hat wenigstens etwas von Leben an sich. Wir essen – quasi zum Frühstück – Linguine mit Scampi. Auf einen Vino verzichten wir bei der Hitze, der gestrige Tag war uns eine Lehre. Danach noch ein kleines Eis – das Leben ist schön.

 

Nun wollen wir zu Georgio Maletti – der Winzer, dessen Wein uns am zweiten Abend so hervorragend gemundet hat. An der ersten angegebenen Adresse... ist ein Industriegebiet, kein Georgio. Und auch die zweite Anschrift ist nicht gerade einfach zu finden. Laut website ist zwischen 15-18 Uhr der Weinladen zum Probieren geöffnet, auch Weine kaufen kann man dort direkt. Nur – alles ist wie ausgestorben, er ist nicht da sondern nur seine Frau. Und die vertröstet uns auf abends. Nachdem Dirk mehrfach 16 Uhr gesagt und sie bestätigt hat, habe ich so ein Gefühl... und frage Quattro i ora? No – seis i ora... oder noch später. Und nur Georgio kann uns helfen. Ah ja...

 

Da wir unbedingt Wein mitnehmen wollen, fahren wir in den Ort Bolgheri. Ein süßer kleiner Ort, sehr pittoresk. Aber: Weine, welche wir in Deutschland für 16 EUR gesehen haben – kosten hier zwischen 20-25 EUR. Unglaublich. Die öffentliche Toilette ist ohne Herpes oder schlimmeren auch keine Empfehlung, aber wir wollen ja sowieso erstmal etwas trinken. Die Zeit vergeht schnell, wie im Flug. Als wir zurück zum Weingut kommen um Wein zu kaufen – ist das Tor geschlossen. Niemand da. Die Dame hatte uns eine Visitenkarte mitgegeben, wir rufen Georgio an. Er ist noch lange nicht zurück, da gerade Wein gepresst wird. Aber wir können gern zu seinem Lager kommen. Das... im Industriegebiet ist, wo wir schon zweimal geschaut haben. Nachdem wir mehrfach hin und her fahren und ihn nicht finden, rufen wir an – und er lotst uns, bis wir ihn finden, steht draußen vor dem Eingang und sagt, er kann uns sehen... Er entschuldigt sich, freut sich, dass wir ihn gefunden haben. Gut, dass wir angerufen haben – er wird heute frühestens um 20/ 21 h zu Hause sein.

 

Im Lager stehen riesige Tanks, er erzählt uns, dass sein Vater ebenfalls Winzer ist – das bekannte Weingut Grattamacco. Wir werden uns handelseinig und nehmen Wein mit. Sowohl den guten Wein als auch den einfachen Rotwein, der ebenfalls hervorragend schmeckt. Mal schauen, wie sich hier die Preise entwickeln. Wir hatten auf jeden Fall unser Abenteuer – was tut man nicht alles, um seinen Winzer zu finden.

 

Als wir ins Navi unsere Heimatadresse eingeben, sind wir geschockt: 195 km – das kann doch nicht wahr sein?!?! Wir suchen eine kürzere Route, finden eine mit 70 km. Naja, dafür haben wir Serpentinen vom Feinsten. Ich bin nicht zart besaitet, aber irgendwann geht es nicht mehr – und wir fahren langsamer, schleichen durch die Landschaft, die nicht gerade schön ist. Riesige Kühltürme und eine Pipeline verschandeln die Gegend. Wir fahren durch das ‚Tal des Teufels’, ein ca. 200 km2 großes geothermisch aktives Gebiet mit einem der weltweit größten Erdwärme-Kraftwerke. Der hier erzeugte Geothermie-Strom reicht für zwei Millionen Haushalte, was einem Viertel des Strombedarfs in der Toscana entspricht.

 

Wir sind froh, als wir nach einer gefühlt fast endlosen Fahrt unseren Ort fast erreicht haben und bei „unserer“ Pizzeria ankommen. Auch heute wieder netter, freundlicher Service, leckere Gnocchi, eine gute Pizza... was will man mehr? Wir fallen todmüde ins Bett nach einem ereignisreichen Tag mit vielen Kilometern, haben viel gesehen und erlebt.